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Engelbert Kaempfer: Lateinischer Brief an Olof Rudbeck (1683)

 

Kurz vor seiner 10jährigen Reise in den Orient, am 20. Februar 1683, verfasste Engelbert Kaempfer einen lateinischen Brief an den Universalgelehrten Olof Rudbeck d. Ä. (1630–1702). Dieses Schreiben ist in Rudbecks monumentalem Werk „Atlantica“ im zweiten Band abgedruckt, der 1689 veröffentlicht wurde.

Gliederung des Briefes an Rudbeck:

Komposition und Struktur des Briefes an Rudbeck weisen insgesamt eine den rhetorischen Vorschriften entsprechende klassische Einteilung in drei Kapitel auf: (A) eine Einleitung, (B) einen aus drei Abschnitten bestehenden Hauptteil und (C) einen abschließenden Passus. Dabei sind die Themen, die Kaempfer behandelt, kausal aufs engste und daher untrennbar miteinander verbunden.

In der Einleitung (A) legt Kaempfer die persönlichen Gründe sowie die äußeren Umstände dar, die ihn berechtigten und veranlassten, Rudbeck einen Bittbrief zu überreichen. Im Hauptteil (B) entwickelt er die Motive seines Vorhabens und stellt demgemäß sein Programm vor, mit der schwedischen Gesandtschaft eine Reise in den Orient zu unternehmen. Deshalb umreißt er zuerst (a) den gesamten Verlauf der geplanten Reiseroute und erläutert sodann (b) die wissenschaftliche Methode, die er bei seinen Forschungsreisen anwenden will, indem er sie effektvoll zugleich dem gewöhnlichen Verhalten Reisender sowie den bisherigen typischen Reisebeschreibungen seiner Zeit gegenüberstellt. Aus diesen Prämissen leitet Kaempfer daher (c) seine Bitte ab, Rudbeck als der kompetenste Ratgeber möge ihm ein Register zukommen lassen, das alle zur erfolgreichen Durchführung des Reiseprogramms notwendigen Informationen und Vorschläge verzeichnen solle. Im Schlussteil des Briefes (C) verfolgt Kaempfer somit keine andere Absicht, als Rudbeck mit weiteren überzeugenden Argumenten dazu zu bewegen, ihm die gewünschte Unterstützung zu gewähren; so preist er Rudbeck als den profiliertesten Gelehrten des europäischen Nordens und würdigt vor allem die epochemachende Bedeutung der Atlantica.

Syntax und Stil, Topik und Terminologie des lateinischen Briefes zeigen überall Einflüsse bestimmter Vorbilder sowohl der antiken griechisch-römischen als auch der neulateinischen Literatur (seit Beginn des Renaissancehumanismus); die Spuren solcher literarischer Einwirkungen und ihre Umwandlungen durch Kaempfer als kreativen lateinischen Prosaautor sind folglich im Detail durchgehend nachzuweisen.

 

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