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Brief an Olof Rudbeck (1683) - Übersetzung

Hochberühmter Mann!

Es ist ein Vergehen derber Kühnheitbook, dass ich als unbekannter Menschbook mich nicht scheue, Dir die Kreise zu störenbook und Dich über Dein Fachgebiet hinaus mit dem vorliegenden Schreiben zu behelligenbook. Ich hätte keine Hoffnung auf Vergebungbook, wenn ich nicht lange schon Deine Menschenfreundlichkeit gründlich kennen würdebook, die ich vor anderthalb Jahrenbook selber erblickt und hoch verehrt habe, als es mir erlaubt war, die Werke Deiner Geisteskraft zu bewundern, die Du zu Hause hastbook. Darauf fest vertrauendbook, nutze ich die vorteilhafte Möglichkeit einer freien Entscheidungbook, indem ich mit der Schreibfederbook das darlegen willbook, was ich mündlichbook nur in allzu unterwürfiger Formbook tun könnte. Gerade nämlich war ich im Begriff, den Gang zu Dir vorzubereitenbook, aber dem einen Vorhaben war das andere hinderlichbook, und die innerhalb nur weniger Tage zusammenzustellenden Gepäckstückebook duldeten nicht einen Aufschub der Abreise zu einem anderen Zeitpunktbook, so dass ich deshalb gar keine Bedenken habebook, von Deinem vollkommenen Tribunal der Menschenfreundlichkeitbook verzeihendes Verständnis für meine Zwangslage in Aussicht zu stellenbook und es für sicher zu halten, dass Du das auf Neugier beruhende Vergehenbook eines Bittgesuchsbook unter die Symptome dieser Krankheitbook gnädig aufnehmen wirstbook, die von keiner anderen Hand als von Deiner heilkräftigen gemindert werden könnenbook.
Das Vorhaben ist es in der Tatbook, mit einem Abgesandten Unseres Durchlauchtigsten <Königs> in den Orient zu reisenbook mit dem Vorsatzbook, die vielgepriesenenbook Ruinen der Antike zu besichtigenbook sowie auch den Wahrheitsgehalt der ihren natürlichen Platz betreffenden, aber einen falschen Ort angebenden und so mit Fug und Recht in Verdacht geratenen historischen Darstellungbook mittels Autopsiebook zu erforschen. Dabei wird nichts vorkommen, was man vernachlässigen darfbook, wenn dort im Bereich der Künstebook etwas Spezifisches bemerkt werden solltebook. Von Persien ausbook werde ich mich sodann nach Indien und China begebenbook, wenn es meine persönliche Situation zulassen wirdbook; widrigenfalls <reise ich> auf anderem Wege nach Bagdadbook und von hier aus durch Palästina nach Jerusalembook; schließlich beabsichtige ich, nach Überquerung des Mittelmeers sowie nach Betrachtung zuerst des Ätnas, des Vesuvs und anderer Ortebook endlich zu euren Hausgötternbook zurückzukehren, wenn nicht die Schicksalsgötterbook diese meine Vorsätze anders angeordnet haben werdenbook!
Lang ist die Bahn, die zu durchlaufen ich mir vorgenommen habebook. Dabei entgeht mir nichtbook, dass die meisten sie nicht <planvoll> durchlaufen, sondern bloß hin- und herlaufenbook, die ihre Reise ungebildet antreten und nichts anderes verstehenbook, als die Länder mit ermüdeten Füßen zu durchmessenbook, unwissend, Altes von Uraltembook, von Offenkundigem Umstrittenesbook und Gewöhnliches von Seltenerembook zu unterscheiden. Auch entgeht mir nicht, dass selbst die Verständigenbook mit ihren Reisebeschreibungenbook zurückkehren, in denen sie gar nichts aufgeschrieben habenbook außer so oft immer wieder gelesenen und gehörten fremdländischen feierlichen Fürstenaufzügenbook, Hochzeits- und Begräbnisbräuchenbook und Ähnlichem. So halten wir in unserer Unwissenheitbook eine Wolke für Junobook und heißen sie wie Ixion willkommenbook, indem wir bei ihrer erstaunlich sorgfältigbook (zuweilen auch in mythologisierender Formbook) die Ausdrucksweise lockernbook und es als unserer Mühe und Anstrengung wert erachtenbook, bis zum As genau aufgezeichnet zu habenbook, was den Augen ein ergötzliches oder ein trauriges Schauspiel beschertbook, wobei wir jedoch von den inneren Vorgängen als Unkundige - was so zu bedauern ist - nichts begriffen habenbook.
In der Absicht also, mich dem Wagnis, das ich mir vorgenommen habe, anzuvertrauenbook, begnüge ich mich mit allgemeiner Vorbildungbook und einer Vorkenntnis der seltensten Gebiete des Landes, in das zu reisen ich mich anschickebook, und habe keine Bedenken, trotz von Beschwernis vollen Tätigkeitbook Dich, hochberühmter Mann, als das Orakel unseres Nordensbook um Rat zu fragen, damit Du dank Deiner überaus glücklichen Hand mir und meinen Begleiternbook (die auch selbst, wie alle Gutgesinnten, den Ruhm Deines Namens und Deine Gelehrsamkeit von Herzen bewundernbook) die Kenntnis des bedeutsamsten der in diesem Teil des Orients zu beobachtenden <Objekte> offen darlegstbook, nicht die allgemein bekannten, sondern die seltensten <Gegenstände> der Antike und der Naturbook in einem kurzen Register durchmusterstbook und, falls die Beobachtung bestimmter spezifischer Eigenschaften auch in Deinem Interesse liegtbook, sie meiner unverdrossenenbook Hand und Zuverlässigkeit anvertraust. Ja fürwahr, hochberühmter Mann, wenn Du dies getan und durch eine kurze Anleitung unserer Neugierbook die gewünschte Unterstützung gewährt haben wirstbook, wirst Du für Dich den Erfolg der gesamten Reise in Anspruch nehmenbook und mich ganz in dem Maße, wie ich fähig bin, zur ewigen Verehrung und Hochachtung Deiner Person verpflichtenbook. Gerade dies ist es in der Tat, was ich durch Deine einzigartige Menschenfreundlichkeit und unvergleichliche Gelehrsamkeit in der Erforschung der Antike und der Naturbook, mit der Du die Liebhaber beider <Fachgebiete> unaufhörlich an Dich bindestbook, erbeten haben wolltebook.
Nur ein einziges Faktum kann ich hier nicht umhin anzufügenbook, <nämlich> dass ich es aufrichtig bedaure, dass ich aus Eurem Norden fortgehen werdebook, da es mir dann nicht vergönnt sein wirdbook, als Hörer an Deinem Mund zu hängenbook und die Weisheit, die ich aus den Strömen Deiner Bücher lese, nicht aus der Quelle selbst oder vielmehr aus Deinem Ozean zu schöpfenbook. Meine persönliche Lage ist in diesen Jahren Spielball ich weiß nicht welcher unbilliger Schicksalsschläge gewordenbook, welche die praktische Erfahrung dieses Glückes unterbunden habenbook und meine Hoffnung mit Absicht fehlschlagen ließenbook. Nichtsdestoweniger wünsche ich mir dennoch Glück, weil es ja dank des Besitzes der "Atlantica"book möglich ist, Deinen Namen zu verehren und beim Wiederlesen dieses Werkesbook die Größe Deiner Gelehrsamkeit zu bewundernbook, eines Werkes, sage ichbook, von erstaunlicher Wirkkraftbook, mit der Du die in so vielen Jahrhunderten verhüllte Wahrheit der unter beinahe abgenutzten Spuren in den letzten Zügen liegendenbook historischen Kenntnis enthüllt hastbook. Tatsächlich hast Du alles so offenkundig und erfolgreich nachgewiesen, dass nun alle bisherigen Leser Platons und anderer antiker Autorenbook aufgefordert sind, an den Nägeln zu kauenbook und anzuerkennen, bei vollem Licht Nachteulen gewesen zu seinbook, und, wenn sie offenherzig sein werden, Dir die Gunstbezeigungen des Dankes und Lobes erweisen, anderenfallsbook sich dennoch Deiner Tüchtigkeitbook gegenüber als Begleiter erweisen, d.h. als Neiderbook, denen es ein Vergnügen bereitetbook, das zu tadeln, was sie nicht nachahmen könnenbook. Du, unvergleichlicher Mannbook, der Du alle mit Deinem Licht bestrahlt hastbook, richte auch auf mich den einzigartigen Strahl Deines Wohlwollensbook, unterweise mich mit Deiner Handbook, die gewissermaßen in aller Kürze als geistiger Vater der am meisten erforderlichen Beobachtungen wirktbook, und überzeuge Dich davon, dass dieses <von Dir> aufgesetzte Schreibenbook für mich ehrwürdiger sein wird als ein sibyllinisches Blattbook und dass ich, indem ich Dir huldigebook, die Grundlage einer väterlichen Ehrwürdigkeit geschaffen habebook.


Leb wohl und habe lieb den Verehrer Deines Namens, den ergebensten Engelbert Kempfer aus Westfalen, Liebhaber der Medizinbook.


Stockholm, am 20. Februar 1683.

 

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