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Die Kunst des Streitens

DIE KUNST DES STREITENS.
Inszenierung, Formen und Funktionen
des Streits in historischer Perspektive

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THE ART OF ARGUING.
Performance, Forms, and Functions
of Dispute in Historical Perspective

 

Interdisziplinäre Tagung an der Universität Bonn,
27. - 29. November 2008

 

 

Tagungsberichte / Presse / Interviews

AHF-Information 2008, Nr. 276 (Tagungsbericht)

ZEIT ONLINE 11.12.08

GENERALANZEIGER, 30.12.2008

uni-bonn.tv (Podcast: Interviews Osthus, Bernsen, Krug-Richter)

Campus Radio Bonn, Miller and Johnson Show, 9.12.2008,
Interview mit Prof. Dr. Richard Cronin (mp3)

WDR 3, Resonanzen 27.11.08, Interview mit Prof. Rolf Lessenich (Podcast)

 

 

Streit ist eine Konstante menschlicher Gemeinschaft. So verwundert es nicht, dass Streit, beginnend mit Kain und Abel oder dem Zorn des Achill, von den ersten Anfängen an ein fortwährendes Thema der europäischen Literatur ist. Jenseits von Krieg und Gewalt enthält Streit ein kreatives Potential, wie es sich in den verschiedensten Gattungen fiktionaler und nonfiktionaler Literatur offenbart. Hier wird bald Streit im intellektuellen Spiel nach allen Regeln der Kunst in Szene gesetzt, bald wird im Kontext religiöser, kultureller und politischer Formierungsprozesse die Literatur zum Instrument schärfster Auseinandersetzung.

Diese Tagung, die von der Bonner Forschergruppe "Traditionen okzidentaler Streitkultur. Formen, Sphären und Funktionen des öffentlichen Streits - Western Traditions of Arguing. Forms, Spheres, and Functions of Public Dispute" organisiert wird, ist im Besonderen dem Inszenierungscharakter dieser literarischen Streitkultur und seiner Funktionalisierung gewidmet. Diese werden an Beispielen von der Antike bis zur frühen Moderne untersucht; einen Höhepunkt der Streitkultur stellt die Renaissance dar, als eine Zeit einer neuen, durch die Classical Tradition geprägten Gelehrtenkultur einerseits und gesellschaftlicher Umbrüche und Ausdifferenzierung andererseits.

 

Conflict is a constant element of human society. Thus, it is not surprising that conflict has also been a constant theme and motif in European civilization from its very outset, beginning with Cain and Abel or the anger of Achilles. Beyond destructive war and violence, however, conflict has a creative potential, as manifested in the various genres of fictional and non-fictional literature. Sometimes conflict is staged in intellectual play following all the rules of art, and sometimes literature becomes a medium of acrimonious debates in the context of religious, cultural and political processes of formation.

This congress, organized by the Bonn University research group "Western Traditions of Arguing: Forms, Spheres, and Functions of Public Dispute", is particularly dedicated to the mise-en-scène character of that literary culture of arguing and its functionalization. These will be examined by examples from antiquity to early modernism. A high point in the culture of arguing was the Renaissance, as a period characterized by a new cult of erudition shaped by the Classical Tradition on the one hand, and of radical changes in society and diversification on the other hand.

 

Kontakt
Dr. Roswitha Simons
Centre for the Classical Tradition
Universität Bonn
Am Hof 1e
53113 Bonn

Die Tagung wurde vom Rektorat und von der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn gefördert.

Die Ergebnisse werden in der CCT-Schriftenreihe Super alta perennis: Studien zur Wirkung der Klassischen Antike, Göttingen: Bonn University Press, von Marc Laureys und Roswitha Simons herausgegeben werden.

 

 

Programm

 

Donnerstag, 27.11.2008


14.00-14.30

Grußwort des Dekans der Philosophischen Fakultät
Eröffnung (Marc Laureys)


14.30-16.30: Streitkultur in der Antike. The Art of Arguing in Antiquity

Manuel Baumbach (Zürich):
Viel Lärm um Nichts? Inszenierte Streitkultur und ihre Wirkungsabsichten in der aristophanischen Komödie

Michael Erler (Würzburg):
Parrhesie und Homologie. Zwei Elemente der öffentlichen Auseinandersetzung im philosophischen Diskurs

Peter Scholz (Stuttgart):
Amicitia und Humanitas in der römischen Republik oder die Kunst, Streit zu vermeiden


17.00-19.00: Formen christlicher Streitkultur in Spätantike und Mittelalter
The Fashioning of Argument in Late Antique and Medieval Christianity

Andreas Weckwerth (Bonn):
Frühchristliche Hymnen als Instrument doktrinärer Auseinandersetzungen

Leidulf Melve (Bergen):
Performativity and argument in public controversies of the eleventh and twelfth centuries

Thomas Haye (Göttingen):
Kann man Christus verdauen? Die theologische Deutung des Abendmahls als Thema des lateinischen Streitgedichts


20.00: Festvortrag im Hörsaal 1, Hauptgebäude

Grußwort des Rektors der Universität Bonn

Nikolaus Staubach (Münster):
Factus est maximus tumultus cum scandalo. Rangkonflikte im kurialen Zeremoniell der Renaissance

 

Freitag, 28.11.2008


8.30-10.30: Streitkultur zwischen Scholastik und Humanismus
The Art of Arguing between Scholasticism and Humanism

Karl Enenkel (Leiden):
Die Entwicklung der humanistischen Streitkultur aus der scholastischen Streitkultur: Francesco Petrarcas Invective contra medicum

Amos Edelheit (Leuven):
The Florentine dispute on Evil (1489)

Johannes Helmrath (Berlin):
'Streitkultur'. Die Invektiven der italienischen Humanisten


11.00-12.20: Literarische Gestaltung von Streit in der Renaissance I
Literary Fashioning of Argument in the Renaissance I

Chiara Lastraioli (Tours):
Petromachies renaissantes: de la dispute rituelle au combat des idées à l'ombre des "pierres parlantes"

Christine Bénévent (Tours):
Polémique et onomastique chez Erasme


14.20-15.40: Literarische Gestaltung von Streit in der Renaissance II
Literary Fashioning of Argument in the Renaissance II

Michael Bernsen (Bonn):
Die Kunst des Streitens. Clément Marots Bittbriefe an François Ier

Luc Deitz (Luxemburg):
Magnus animi tui candor, or: How to tell your enemy that he is a fool


16.10-18.10: Die Anderen. Strategien der Streitaustragung in der Frühen Neuzeit I
The Others. Strategies of Dissent in the Early Modern Age I

Barbara Krug-Richter (Münster):
Streitkulturen. Perspektiven der Volkskunde/Europäischen Ethnologie

Dieter Mertens (Freiburg):
Struktur - Konzept - Temperament. Jakob Wimpfelings "Fehden"

Frank Bezner (Tübingen/Berkeley):
"Wer war schuld?" oder Streit um die Geschichte. Die Zerstörung der Abtei von St. Maximin im Jahre 1522 und ihre historiographischen Folgen [entfällt]

 

Samstag, 29.11.2008


8.30-9.50: Die Anderen. Strategien der Streitaustragung in der Frühen Neuzeit II
The Others. Strategies of Dissent in the Early Modern Age II

Eckhard Bernstein (Freiburg):
"Ama Reuchliastros, contemptui habeas Arnoldistas!" Mobilisierungsstrategien des Mutianischen "ordo literarius" im Reuchlinstreit

Barbara Mahlmann-Bauer (Bern):
Formen des Streitens in Basel, Zürich und Genf. Sebastian Castellio und seine Gegner


10.20-13.00: Streitkultur im Übergang zur Moderne (18./19. Jh.)
The Art of Arguing at the Treshold of the Modern Age

Claudia Polzin-Haumann (Saarbrücken):
Zum Streit um Sprache im siglo ilustrado: Themen, Textsorten, Typen der Argumentation

Judith Hawley (London):
"Mental Men and Bodily Women": Argument as Marital Row in the Scriblerian Circle

Richard Cronin (Glasgow):
Paper Bullets: Duelling and Romantic Literature

Abschlussdiskussion

 

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