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Staatlichkeit im Früh- und Hochmittelalter

 

“Der antike Staat ist gemeines Wesen, der germanisch-deutsche Staat ist Herrschaft”, so lautet ein bekanntes Diktum von Walter Schlesinger. Die Frage nach der Staatlichkeit der europäischen Reiche des Früh- und Hochmittelalters ist ein zentrales Thema der klassischen deutschen Verfassungsgeschichte, das von der historischen Forschung immer wieder aufgegriffen und kontrovers diskutiert wird. Seit den 1930er Jahren hat sich die ‚Neue Verfassungsgeschichte’ durchgesetzt, die sich von der einseitig rechtlich-institutionellen Sicht der älteren Verfassungsgeschichte distanziert hat und das Verfassungsleben des Mittelalters nicht durch transpersonale Institutionen geprägt sieht, sondern allein von personalen Bindungen, die einen Herrschaftsverband und keinen Staat konstituierten. So wird mittlerweile selbst für die Antike die Existenz des Staates kontrovers diskutiert. Freilich benötigen Personenverbände einen institutionellen Rahmen und vor allem auch einen Bezugspunkt, um sich entfalten zu können, wie neuere Forschungen zur Transformation des Imperium Romanum und zur Genese der frühmittelalterlichen Reiche gezeigt haben. Daher soll in diesem Projekt wieder verstärkt nach den Institutionen und ihren Funktionen gefragt werden, ohne in die Sichtweise des 19. Jahrhunderts zurückzufallen: Nicht das terminologische Problem soll im Mittelpunkt stehen, ob der Begriff ‚Staat’ überhaupt für die früh- und hochmittelalterlichen Königreiche anwendbar ist, sondern die Frage, wie politische Integration gelingen konnte und wie in der Interaktion von Monarchie und Aristokratie, christlichen und weltlichen Institutionen, Königtum und Volk über regionale Gemeinschaften Gestalt gewannen.

Jüngere Publikationen des Projekts

  • Becher, Matthias: „Hof und Herrschaft Karls des Großen“, in: Karl der Große. Orte der Macht. Katalog zur Ausstellung Aachen 2014, hg. von Frank Pohle, Dresden 2014, S. 256-265.
  • Becher, Matthias: „Chlodwig. Zwischen Biographie und Quellenkritik“, in: Chlodwigs Welt. Organisation von Herrschaft um 500, hg. von Mischa Meier – Steffen Patzold (Roma aeterna 3), Stuttgart 2014, S. 45-65.
  • Becher, Matthias: „Das Rheinland im merowingischen Frankenreich“, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 79, 2015, S. 32-42.

 

Beteiligte Forscher

Matthias Becher (Abt. für Mittelalterliche Geschichte, Bonn)
in einem Forschungsverbund mit Stuart Airlie (Glasgow), Stefanie Dick (Paderborn), Hans–Werner Goetz (Hamburg), Jörg Jarnut (Paderborn), Régine Le Jan (Paris), Mayke de Jong (Utrecht), Steffen Patzold (Hamburg), Walter Pohl (Wien), Helmut Reimitz (Wien), Gisela Ripoll (Barcelona), Bernd Schneidmüller (Heidelberg), Ian Wood (Leeds).

 

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